Workshop 2: Nachwuchssorgen und Überforderungstendenzen – welche Antworten findet die Selbsthilfe-Szene auf diese Fragen?

Um Überforderungstenden entgegenwirken zu können, muss rechtzeitig für Beteiligungskultur gesorgt werden, um dann Entlastung durch Aufgabenverteilung zu ermöglichen. Manche SHGs vergeben z.B. Patenschaften: erfahrene Mitglieder stehen Neuzugängen als direkte Ansprechpartner/innen zur Verfügung. Hierfür sollten besondere Fähigkeiten bzw. Erfahrungen der Einzelnen genutzt werden,  die sich auch durch die eigene Krankheitsgeschichte herausgebildet haben können.

Oftmals hilft es auch, wenn Aufgaben in kleine Portionen geteilt werden. So kann man Aufträge entsprechend der vorhandenen Fähigkeiten der Gruppenmitglieder verteilen.  Manchmal ist es besser, wenn Leute gezielt angesprochen werden und nicht in der großen Runde. Auf der anderen Seite ist das Sichtbarmachen des jeweiligen Beitrags der Teilnehmenden auch von großer Bedeutung. Die Entwicklung einer Anerkennungskultur für sich und andere ist wichtig!

Wenn der Wert und die positiven Wirkungen der Selbsthilfe hervorgehoben und nach außen getragen werden, hat dies vielseitig positive Effekte. Es hilft die eigene Freude an der Gruppenleitung zu bewahren und Begeisterung auf andere zu übertragen. Manche Erwartungen – seien es Wünsche aus der Gruppe oder auch eigene Ansprüche – sollten spätestens dann heruntergeschraubt werden, wenn es als belastend erlebt wird.

Eigene Grenzen festzulegen heißt auch zu sehen, was kann ich gerne machen und zu welchem Zeitpunkt. So gilt auch bei der Frage, wie man neue bwz. jüngere Leute für die Selbsthilfegruppe gewinnen kann: die eigene Freude, die Begeisterung, das eigene „Brennen“ für die Gruppe kann mehr bewirken als ein schnell eröffneter Facebook-Account, der zeitaufwendig betreut werden müsste ...

Als Gruppenleiter/in ist es hilfreich auch die eigene Betroffenheit von Zeit zu Zeit wieder anzusprechen. Abgrenzung kann auch durch klare Regelungen bezüglich Notfällen, der Nutzung eines neutralen Raumes oder festgelegten Beratungszeiten gelingen.

Nicht vergessen: Im Begriff Selbst-Hilfe steckt das Prinzip des „Geben und Nehmens“ schon drin.