Workshop 3: Selbsthilfe reflexiv - Dienstleistung oder Ausdruck einer politischen Haltung

In dem Workshop wurde dazu eingeladen, entlang der unterschiedlichen Themen, mit denen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Initiativen befassen, zu reflektieren, was jeweils der Anlass bzw. die Motivation für das Engagement in einer Selbsthilfeinitiative war und wo die Schwerpunkte der Aktivitäten in der Initiative liegen, ob mehr im Bereich des persönlichen Erfahrungsaustauschs oder auch im Bereich gesellschaftspolitischer Zielsetzungen und Aktivitäten.

Die vertretenen Themenfelder im Workshop waren sehr breit gestreut. Sie reichten von psychosozialen Problemen, Autismus, sexuelle Identität, chronischen Erkrankungen bis hin zu Wohnungslosigkeit und geplanten oder bereits realisierten, selbstorgansierten Wohnprojekten.

In den gesundheitsbezogenen Initiativen stand zunächst meist persönlicher Erfahrungs- und Informationsaustausch und konkrete gegenseitige Unterstützung im Vordergrund. Der unmittelbare Anlass für das Engagement in einer Selbsthilfegruppe war häufig ein sehr privater, die Betroffenheit von einer Erkrankung oder einem psychosozialen Problem, entweder direkt oder als Angehöriger. Nicht selten allerdings, wurde das Engagement in der Gruppe/Initiative auch damit begründet, dass die professionellen Dienste keine ausreichenden oder passenden Angebote für die jeweiligen Bedarfe anbieten konnten. An diesen Stellen wurde sehr schnell deutlich, dass das Nicht-Vorhandensein von adäquaten Angeboten für die eigenen Bedarfe, nicht nur persönliche Betroffenheit erzeugt, sondern auf gesellschaftliche Dimensionen verweist, wie gesellschaftliche Vorstellungen von Zusammenwohnen, heteronormative Vorstellung von Geschlechtszugehörigkeit, Angebotssituation auf dem Wohnungsmarkt, unzureichende Angebote des Gesundheitssystems usw. Von diesen Überlegungen ausgehend, konnten für den Großteil der Beteiligten neben den persönlichen Anliegen auch politische Zielsetzungen und Wirkungen des Engagements in der Selbsthilfe festgestellt werden.

Dabei wurde auch deutlich, dass die politische Arbeit auch besondere Anforderungen an die Engagierten stellt und dass sie hier auch verbündete und Unterstützung benötigen, sowohl fachlicher als auch finanzieller Art. Im SHZ nehmen wir das einmal mehr zum Anlass, darüber nachzudenken, wie wir diese (fach)politische Arbeit der Selbsthilfeinitiativen effektiv unterstützen können.