Wie alles beginnt …

In den Siebzigerjahren entstehen zahlreiche Initiativen, die selbstbestimmt Themen angehen und umsetzen. Die Ideen der alternativen sozialen Bewegungen (Friedens-, Ökologie-, Frauen- und Gesundheitsbewegung) finden ihren Niederschlag in der Kommunalpolitik. (….)

März 1984  Erstmals Mehrheit von Grünen und SPD im Stadtrat. Mit Hilfe des Gesundheitsladens (AK Kommunale Gesundheitspolitik) erstellen ca. 35 Initiativen eine Konzeption zur Selbsthilfeförderung, die sie mit Verwaltung und Parteien weiterentwickeln. Hier entsteht auch  in Anlehnung an Kontaktstellen in Hamburg und Berlin das Konzept für ein Selbsthilfezentrum München. (…)

13.02.1985 Der Stadtrat beschließt gegen die Stimmen von CSU und FDP als eine der ersten Kommunen in der BRD die Einrichtung eines Fonds (Haushaltsstelle) zur Unterstützung von Selbsthilfegruppen und selbstorganisierten Projekten im Gesundheits- und Sozialbereich. Das ist die Geburtsstunde der Münchner Selbsthilfeförderung. Insbesondere dem zuständigen Sozialreferat ist es wichtig,  die «Innovationen»  der Initiativen für die Stadtgesellschaft nutzbar zu machen.

Entstanden waren zuvor Eltern-Kind-Initiativen, Gesundheitsselbsthilfegruppen und unterschiedliche Initiativen im Sozialbereich. Die Selbsthilfeförderung ermöglicht auch Gruppen ohne Vereinsstatus oder Zugehörigkeit zu einem Wohlfahrtsverband eine finanzielle Unterstützung. Zahlreiche Nachbarschaftshilfen, die zumeist bei einzelnen Pfarreien angegliedert sind, stellen Anträge und bilden damit einen Schwerpunkt bei der beginnenden Förderung. (…)

Das Konzept der Selbsthilfeförderung steht auf drei Säulen:

  • Die finanzielle Förderung
  • Die Beteiligungsstruktur Selbsthilfebeirat
  • Die Beratungsstelle für Initiativen (das heutige SHZ) (...)

01.09.1985  Eröffnung des Selbsthilfezentrums München in der Auenstraße 31 mit 2 vollen Stellen. 30 Selbsthilfegruppen finden dort ihr «Zuhause». Die Leistungen des SHZ sind: Beratung, Begleitung und Unterstützung der Gruppen, Vermittlung in Selbsthilfe, Starthilfe beim Aufbau neuer Initiativen und Lobbyarbeit für Selbsthilfegruppen und -organisationen. Dem Sozialreferat ist es wichtig, dass das SHZ auch über Personal verfügt, das in der Lage ist, wissenschaftlich fundierte Begleitforschung und Modellprojekte für die Stadtgesellschaft zu erarbeiten.  

Auch die demokratische Förderpraxis ist innovativ - ein Selbsthilfebeirat, der vom Stadtrat legitimiert die Anträge begutachtet und Empfehlung an Stadtrat und Verwaltung abgibt (an die sich meistens auch gehalten wird). Er besteht (bis heute) aus

  • 4 von den Initiativen gewählte VertreterInnen, die nicht vom Stadtrat bestätigt werden müssen.
  • 4 Vertreter aus dem Bereich der sozialen und gesundheitlichen Dienste sowie Ausbildungseinrichtungen, die im Einvernehmen zwischen der Stadt München und den Gruppen und Projekten vom Stadtrat bestellt werden.
  • 1 Experte «im Einvernehmen», d.h. hier müssen sich Inititativen und Verwaltung auf eine Person einigen, die der Stadtrat dann bestätigt.
  • MitarbeiterInnen des SHZ und der Verwaltung mit nur beratender Funktion – abstimmungsberechtigt sind die 9 Beiräte. 

Ab 1985  finden zweimonatlich Gesamtinitiativentreffen zur Diskussion gemeinsamer Inhalte und Interessensvertretung statt. Hieraus werden auch die Vertreter für den Beirat gewählt, die Struktur eines Trägervereins wird konzipiert und eine Neufassung der Selbsthilfeföderung ab 1988 entwickelt. Später dann aufgelöst.

17.12.1985 Gründung des «Trägervereins Selbsthilfezentrum e.V.», der 1991 umbenannt wird in «Verein zur Förderung der Selbsthilfe und Selbstorganisation» FÖSS e.V.  Zitat Ende

FÖSS e.V. heute

Der Verein ist bis heute unmittelbar verbunden mit der Selbsthilfebewegung und den Münchner Initiativen. Die „Förderung der Selbsthilfe und Selbstorganisation“ ist oberstes Ziel: der Empowerment-Ansatz ist Grundlage und Philosophie  des Vereins. 

Der Empowerment-Ansatz besagt, dass Menschen ihre Belange in Selbsthilfe und Selbstorganisation in die Hand nehmen und mit punktueller Unterstützung durch fachliche Stellen wie das Selbsthilfezentrum selbst bestimmt unterschiedliche Themen im Bereich Gesundheit, Soziales und Umwelt aufgreifen und eigenständig bearbeiten können.

 

Der Verein setzt sich ein 

  • für die Ermöglichung von Selbstorganisation 
  • für die Unterstützung der Initiativen mit entsprechenden Rahmenbedingungen
  • für die Anerkennung der Selbsthilfe als Bestandteil des Bürgerschaftlichen Engagements im Gesundheits-, Sozial- und Umweltbereich - bei Fachstellen, Zuschussgebern, in der Politik, aber auch bei Bürgerinnen und Bürgern
  • für die Implementierung des Ansatzes der Selbstorganisation bei Fachstellen in der sozialen und gesundheitlichen Versorgung  
  • für die Weiterentwicklung der Bewegung durch Modellprojekte und wissenschaftliche Untersuchungen 

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